Frankreichs WM-Fiasko wird zur Staatssache 

Frankreichs WM-Fiasko wird zur Staatssache

Nicolas Sarkozy hatte ganz offensichtlich die Faxen dicke. Nachdem die Fußballer bei der WM in Südafrika die "Grande Nation" tagelang der Lächerlichkeit preisgegeben hatten, griff der französische Staatspräsident kurz vor dem letzten Gruppenspiel des Teams gegen Gastgeber Südafrika (Di., ab 15:45 Uhr im Live-Ticker) ein.

Um weitere hässliche Kratzer am Image des Landes zu verhindern, erhielt Sportministerin Roselyne Bachelot, die sich ohnehin in Südafrika aufhielt, noch am Sonntag den Auftrag, die Repräsentanten von "Les Miserables" für Montag zu einem Krisengipfel zu bestellen.

Minimalchance gegen Südafrika

Der Präsident und sie selbst, sagte Bachelot, "haben von der Entrüstung der französischen Menschen Kenntnis genommen, wir rufen zu Würde und Verantwortung auf." Die Ministerin drohte zugleich mit Konsequenzen. "Es ist noch nicht die Zeit für Disziplinarmaßnahmen, aber diese Zeit wird bald kommen", sagte sie. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde, eine ehemalige Synchronschwimmerin, verurteilte unterdessen den Trainingsboykott der Spieler am Sonntag: "Auch ich habe die Nationalfarben getragen, ich bin erschüttert."

Am Dienstag spielt die "Equipe Tricolore" gegen den Gastgeber Südafrika um ihre Minimalchance, doch noch das Achtelfinale dieser WM zu erreichen. Frankreich braucht einen klaren Sieg und außerdem einen Verlierer im Spiel zwischen Mexiko und Uruguay. "Wir werden alles tun, um zu gewinnen", versichert Franck Ribery vom FC Bayern München. In einem Brief der Mannschaft an die Öffentlichkeit steht: "Wir werden alles tun, um die Ehre Frankreichs wiederherzustellen."

Ribery leidet

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Den Spielern wird die Tragweite der Vorfälle wohl zunehmend bewusst. "Die ganze Welt lacht über uns", jammert Ribery, der sich dieser Tage wohl nichts lieber wünscht, als bei der "Familie" Bayern München zu sein. "Frankreich leidet. Unser Land leidet. Ich leide", betonte Ribery, der allerdings im Verdacht steht, selbst einer der Unruhestifter zu sein. Die Vorwürfe: Mobbing gegen Teamkollegen und Intrigen gegen Trainer Raymond Domenech.

Spätestens am Sonntagnachmittag hatte die Equipe Tricolore einem Käfig voller Narren geglichen - die Spieler boykottierten aus Protest gegen den Rauswurf von Nicolas Anelka das Training, Domenech verlas dazu das Statement der Spieler. "Ich kann diese Maßnahme nicht nachvollziehen. Wir sind hier bei einer WM. Da muss man sich doch zusammenreißen", sagte am Montag in Johannesburg sogar Zinedine Zidane, der sonst für "Les Bleus" immer ein offenes Ohr hat.

Gerüchte um Zidane

Angeblich soll Zidane selbst einer der großen Intriganten bei der "Equipe Tricolore" sein. Hartnäckig hält sich das Gerücht, "Zizou" habe sich nach dem ernüchternden 0:0 zum WM-Auftakt gegen Uruguay mit Ribery, William Gallas, dem von Domenech ausgebooteten Thierry Henry und dem aktuellen Mannschaftskapitän Patrice Evra getroffen - die Ziele: eine neue Taktik und eine Startelf ohne Yoann Gourcuff. Gegen Mexiko (0:2) spielte Frankreich anders und ohne Gourcuff.

Die öffentliche Selbstverstümmelung der einst so stolzen Nationalmannschaft sorgt bei ehemaligen Nationalspielern einstweilen für Kopfschütteln. Die wahnwitzigen Vorkommnisse erinnern Bixente Lizarazu an eine Science-Fiction-Serie. "Wir befinden uns in einer Episode von Akte X - jeder dreht durch", lästerte der Weltmeister von 1998 und ehemalige Spieler des FC Bayern. Marcel Desailly, sein früherer Mitspieler, sagte: "Es ist eine Schande."

Domenech verteidigt Anelka-Rauswurf

Nach Anelka, der nach seinen verbalen Obszönitäten gegen Trainer Domenech am Samstag nach Hause geschickt wurde, steht nun auch Ribery im Mittelpunkt einiger Geschichten, die wie ein Strom zersetzender Säure an die Öffentlichkeit gelangen. So soll der Mittelfeldspieler auf dem Rückflug nach dem Spiel gegen Mexiko am Donnerstag (0:2) in ein Handgemenge mit Gourcuff verwickelt gewesen sein. "Ich habe kein Problem mit Yoann" widersprach Ribery, "zu behaupten, ich hätte mich mit ihm geschlagen, ist Unsinn."

Am Montagabend verteidigte Domenech noch einmal den Rauswurf von Anelka und kritisierte den Trainingsboykott der Spieler scharf. "Ich möchte sagen, dass diese Sanktion berechtigt war", sagte der Coach in Bloemfontein: "Keiner hat das Recht, sich so in der Kabine zu verhalten. Profis müssen ein Beispiel sein. Was die Spieler gemacht haben, war dumm."

Rekordsieg lässt Titelträume reifen

Als sich endlich auch Cristiano Ronaldo in die lange Torschützenliste eintragen durfte, war das Glück der Portugiesen perfekt. Auf der Ehrentribüne strahlte Fußball-Idol Eusebio und auf dem Feld huldigten die Spieler der "Seleccao" ihrem Kapitän: Mit dem 7:0 (1:0) gegen Nordkorea hat Portugal nicht nur den höchsten Sieg seiner WM-Geschichte gefeiert, sondern auch eine eindrucksvolle Bewerbung für den Titel abgegeben.

"Toreschießen bringt immer auch Selbstbewusstsein mit sich. Dieser Sieg war eine große Motivation für den weiteren Verlauf", sagte Coach Carlos Queiroz. Und der Bremen-Legionär Hugo Almeida ergänzte: "Es ist unsere Aufgabe, immer anzugreifen. Und wir sind hier, um Geschichte zu schreiben."

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"Wunderbarer Fußball, wunderbare Tore"

Angeführt von ihrem Star Ronaldo, der erstmals seit 16 Monaten wieder ein Tor im Nationaltrikot erzielte, schossen sich die Iberer zum bisher höchsten Sieg eines Teams in Südafrika und ganz nahe ans Ticket für die K.o.-Runde.

"Mit jedem Treffer sind wir dem Achtelfinale ein Stück näher gekommen. Die Spieler haben wunderbaren Fußball gespielt und wunderbare Tore erzielt. Das war ein großartiger Tag für den portugiesischen Fußball", schwärmte Queiroz von der Demonstration in Kapstadt. Selbst eine Niederlage im abschließenden Spiel der Gruppe G gegen Brasilien dürfte bei neun Toren Vorsprung auf die derzeit drittplatzierte Elfenbeinküste zum Weiterkommen genügen.

Ronaldo gibt Auszeichnung weiter

Dennoch mahnte Queiroz zur Konzentration auf die Begegnung mit dem Rekordweltmeister am Freitag in Durban: "Wir müssen auch gegen Brasilien ein leidenschaftliches Spiel abliefern, um den nächsten Schritt zu machen."

Die Spieler dagegen genossen den Augenblick. "Es passiert nicht alle Tage, dass man sieben Tore in einem Spiel macht, aber ich glaube, unser Sieg war auch in der Höhe verdient", sagte Spielführer Ronaldo, der in zum Spieler des Spiels gekürt wurde. "Drei oder vier meiner Teamkollegen hätten diese Auszeichnung auch verdient gehabt - vor allem Tiago", sagte der Weltfußballer von 2008 bescheiden - und reichte die Trophäe kurzerhand an den Mittelfeldspieler von Atletico Madrid weiter.

Kurioses Tor von Ronaldo

Tatsächlich lief das Spiel lange Zeit an Ronaldo vorbei. Erst als die Tormaschine dank des Doppeltorschützen Tiago (60./89. Minute) sowie der ebenfalls überragenden Raul Meireles (29.) und Werder Bremens Hugo Almeida (56.) ins Rollen gekommen war, blühte auch der teuerste Spieler der Welt auf und ließ seine Klasse zunehmend aufblitzen.

In der 87. Minute wurde er schließlich belohnt - wenn auch auf kuriose Weise: Beim Versuch eines Lupfers über den herausstürmenden Torwart Ri Myong-Guk landete der Ball erst in Ronaldos Nacken, ehe der Stürmer ihn auf den Fuß bekam und die Kugel schließlich ins Netz schoss.

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Bis dahin hatten auch schon Simao (53.) und der für Almeida eingewechselte Liedson (81.) getroffen. Dagegen hatten die bemitleidenswerten Nordkoreaner nur eine knappe halbe Stunde gegenhalten können, um am Ende völlig unterzugehen.

"Wir sind taktisch auseinander gefallen"

Eigentlich hatten die Asiaten späte Revanche für die 3: 5-Niederlage gegen Portugal im Viertelfinale der WM 1966 nehmen wollen, doch letztlich mussten sie die Übermacht des Gegners anerkennen. "Unsere Spieler haben sicher alles gegeben, aber wir sind taktisch auseinandergefallen. Die Balance zwischen Angriff und Abwehr war nicht gut", sagte Trainer Kim Jong-Hun.

Auch wenn sein Team nach der zweiten Niederlage bereits vorzeitig gescheitert ist, versprach der Coach für das letzte Spiel am Freitag gegen die Ivorer noch einmal einen ehrenvollen Kampf. "In der Heimat werden sie auf unser nächstes Spiel schauen und uns ermutigen, es besser zu machen. Auch wenn wir unser Ziel verfehlt haben, werden wir uns gut auf die Begegnung vorbereiten und unsere Strategie und Taktik nochmals überdenken."